09.01.19Berlin

Ernährungsreport 2019

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick

Mit dem Ernährungsreport 2019 hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft am Mittwoch die aktuellen Zahlen zum Essverhalten der Deutschen vorgestellt. Fast schon traditionell steht der Report in der Kritik verschiedener Interessengruppen. Wie die Ergebnisse aus Sicht eines regionalen Wirtschaftsverbandes einzuordnen sind, stellen wir Ihnen im Folgenden vor.

Ampelkennzeichnung verwirrt statt Orientierung zu geben

Die wichtigste Botschaft vorweg: Die meisten Verbraucher ernähren sich gesund oder gaben dies zumindest in der Befragung an. Demnach essen rund 71 Prozent täglich Obst und Gemüse. Das zeigt, dass sich Verbraucher durchaus darüber bewusst sind, was zu einer gesunden Ernährung gehört. Veggie-Diktate, zu einfache Ampelkennzeichnungen oder gar Werbeverbote kontakarieren diese Selbstbestimmtheit und sollen offensichtlich dazu dienen, den Verbraucher zu entmündigen. Insbesondere bei der Ampelkennzeichnung ergibt sich aufgrund der Vierlfältigkeit von Lebensmitteln eine besondere Problematik. So birgt das Ampelkonzept die große Gefahr, dass zahlreiche Lebensmittel negativ markiert werden, obwohl sie im Vergleich mit anderen Lebensmitteln in bestimmten Kategorien besser abschneiden. Beispielsweise hat ein 100-Prozent-Natursaft mehr Kohlenhydratkalorien als eine zuckerreduzierte Limonade. Die Ampelkennzeichung würde diesen Aspekt jedoch verschleiern. Der Verbraucherorientierung dient das wenig. Dabei ist die Konsumentensouveränität, also die freihe individuelle Entscheidung über Kauf oder Nicht-Kauf eines Produktes, eine wichtige Voraussetzung für eine funktionierende Marktwirtschaft.

Hohe Nachfrage fördert konventionelle Lebensmittelherstellung

Ein weiteres Ergebnis des Reports: Insbesondere Kantinen spielen für die Verpflegung eine wichtige Rolle. Rund 20 Prozent der Befragten nutzen mindestens einmal pro Woche eine Kantine. Fünf Prozent tun dies sogar täglich. Kantinen sind somit ein wichtiger Bestandteil der deutschen Ernährung. Deshalb unterstützt die WVEB im Rahmen der Berliner Ernährungsstrategie das Bemühen, öffentliche Kantinen und Schulen mit regionalen Lebensmitteln zu versorgen. Ob dies im großen Stil auch mit Bio-Produkten umgesetzt werden kann, hängt vor allem von den regional verfügbaren Anbauflächen ab.

Viele Produzenten sind immer noch konventionelle Lebensmittelhersteller, da eine sichere Lebensmittelversorgung hinsichtlich Qualität, Preis und Quantität aufgrund der hohen Nachfrage in wachsenden Städten wie Berlin nur industriell erfolgen kann. Andere Verarbeitungsverfahren sind aufgrund geringerer Produktivität und Kapazität nicht effizient.

Klare Signale an die Verarbeiter und die Landwirtschaft

Dass 84 Prozent der Befragten für eine deutliche Zuckerreduzierung in beispielsweise Fertigprodukten sind und sich 86 Prozent eine Verpackungskennzeichnung für artgerechte Tierhaltung wünschen, sind klare Signale an die Verarbeiter und an die Landwirtschaft. Denn nicht der Anbieter, sondern die Verbraucher bestimmen das Marktgeschehen. Es sind die Verbraucher, die durch ihr Konsumverhalten die zentrale ordnungspolitische Aufgabe der Marktsteuerung übernehmen: Nachfrage generiert das Angebot. So entstehen zunehmend neue Food-Trends, die in Supermärkten und Lebensmittelhandel Einzug halten.

Lebensmittelverschwendung ist kein Thema der Ernährungsindustrie

Rund 84 Prozent der Befragten plädieren für weniger Lebensmittelverschwendung. Jedoch hat dieses Dauerthema vor allem im persönlichen, individuellen Bereich Relevanz. Denn ein Hersteller, der Lebensmittel im Produktionsprozess verschwendet, ist gar nicht erst marktfähig. Daher ist Lebensmittelverschwendung kein Thema der Ernährungsindustrie.

Kennzeichnung regionaler Produkte gewünscht

Rund 80 Prozent der befragten Personen wünschen sich eine Kennzeichnung regionaler Produkte. Nachdem der Handel bereits größtenteils darauf reagiert hat, sind nun die Akteure der Region gefragt. So kann 'Regional' aus Sicht der WVEB beispielsweise auch eine Rezeptur sein. Wirtschaftspolitisch geht es vor allem darum, die regionalen Lieferbeziehungen auszubauen, gemeinsam mit der Wissenschaft neue Produkte zu entwickeln und attraktive Rahmenbedingungen für den Wirtschaftsstandort Berlin-Brandenburg zu schaffen. Dafür engagiert sich die WVEB als Partner im Cluster Ernährungswirtschaft im Land Brandenburg.

Fazit

Der jährliche BMEL-Ernährungsreport gibt einen guten Überblick über aktuelle Ernährungstrends und erlaubt Einblicke in die Konsumgewohnheiten und -wünsche der Verbraucher. Für die Analyse des Marktgeschehens ist der Bericht also ein hilfreiches Instrument – trotz aller Kritik, die in der Regel an Analysen, Studien und Befragungen herrscht.                

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