25.07.17Berlin

Innovationsatlas 2017

Berlin mit starker Gründerszene aber wenig Patenten

Eine aktuelle Studie des IW Köln zu Forschung und Entwicklung (FuE) in Deutschland zeigt: Die Innovationskraft ist regional ungleich verteilt. Wirtschaftsräume aus den südlichen Bundesländern sind Ideenschmieden auf Weltniveau. Berlin kann vor allem bei den Gründungen punkten.

FuE-Aufwendungen

Insgesamt wendete die Wirtschaft 2013 (aktuelle Daten) intern rund 53,6 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung (FuE) auf. Bereits der Blick auf die Verteilung zwischen West- und Ostdeutschland verdeutlicht aber extreme Unterschiede beim Investitionsverhalten. Denn den rund 49,5 Milliarden Euro, die in westdeutschen Unternehmen in FuE flossen, stehen nur knapp 2,4 Milliarden in den ostdeutschen Bundesländern gegenüber.

Berlin wird aufgrund seiner Sonderrolle isoliert betrachtet. Mit einem Volumen von rund 1,7 Milliarden Euro an internen FuE-Aufwendungen sticht Berlin unter den ostdeutschen Bundesländern deutlich heraus. Baden-Württemberg verzeichnete das mit Abstand höchste Volumen (16,3 Milliarden Euro).

Forschungsintensität

Insgesamt lassen sich bundesweit ein sehr starkes Süd-Nord-Gefälle sowie ein deutliches West-Ost-Gefälle beobachten. Die Hauptstadtregion Berlin sticht zwar aus den umliegenden Wirtschaftsräumen hervor, bleibt allerdings mit einem Wert von 1,4 Prozent der Bruttowertschöpfung deutlich hinter dem Bundesdurchschnitt und dem EU-Ziel zurück. Die Regionen Cottbus / Elbe-Elster / Oberspreewald-Lausitz / Spree-Neiße weisen die niedrigste Forschungs- und Entwicklungsintensität auf.

Hochqualifizierte MINT-Fachkräfte

Bundesweit gingen im Durchschnitt des Jahres 2013 rund 1,1 Millionen sozialversicherungspflichtig (SV) Beschäftigte einer Tätigkeit in einem MINT-Akademikerberuf nach. Davon ist der Großteil der besonders MINT-intensiven Wirtschaftsräume in den südlichen Flächenländern angesiedelt. Im Bundesschnitt waren von 1.000 SV Beschäftigten rund 37 in einem MINT-Akademikerberuf tätig (Berlin: 38, Brandenburg 27).

Technologieorientierte Unternehmensneugründungen

Berlin gilt zwar als Hauptstadt der Gründungen, doch handelt es sich bei diesen weit häufiger als anderswo um nicht wissensintensive Gründungen aus dem Bereich der personennahen Dienstleistungen und deutlich seltener um innovationsorientierte Gründungen mit einem technologiebasierten Hintergrund.

Breitband

Wie die Breitband-Karte (Seite 44) der Studie zeigt, liegt die Verfügbarkeit von schnellem Breitbandinternet in sämtlichen ostdeutschen Wirtschaftsräumen – mit Ausnahme des Großraums Berlin – unterhalb des Medians (70,4 Prozent).

Die Versorgungsintensität Breitband (Anteil der Haushalte mit Breitbandinternet mit einer Übertragungsrate von mindestens 50Mbit/s) beträgt in Deutschland 75 Prozent, in Berlin 90 Prozent und im Land Brandenburg 63 Prozent.

Patentanmeldungen

Die Anzahl der Patentanmeldungen je 100.000 SV Beschäftigte betrug im Jahr 2014 in Deutschland 125 (Berlin: 43, Brandenburg: 30). Die Innovationskraft Berlins ist damit überschaubar. Das lässt sich auch daran ablesen, dass Großstädte im Rest der Republik - wiederum bezogen auf die Beschäftigtenzahl - ein Vielfaches an Patentanmeldungen hervorbringen: thüringische Großstädte beispielsweise das Vierfache, bayerische das Zehnfache und baden-württembergische gar das 14-Fache des Berliner Niveaus.

Die vollständige IW-Studie finden Sie hier.

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