31.08.16Berlin

Solides Wirtschaftswachstum im Jahr 2016

Ausblick 2017 eher moderat

Die aktuell robuste Verfassung der deutschen Wirtschaft spricht für eine andauernd gute Binnenkonjunktur. Die Beschäftigung nimmt weiter zu, die Zinsen sind niedrig und seit dem 1. Juli freuen sich die Ruheständler über die kräftigste Rentenerhöhung seit 23 Jahren. Das stützt den privaten Konsum genauso wie den Wohnungsbau, der zusätzliche Impulse durch die Zuwanderung erhält.


Konjunkturprognose Hintergrund

  • Aus ökonomischer Sicht zeichnen die Zahlen für das erste Halbjahr 2016 ein positives Bild. Für Deutschland verlief es sehr gut. Jedoch entstand durch die Entscheidung der Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union ein maßgebliches Abwärtsrisiko, das die Euphorie senkt.

  • Die Erwerbstätigenzahl wird im Jahresdurchschnitt 2016 um etwa 500.000 Personen ansteigen. Für das Jahr 2017 wird mit einem Wachstum um 380.000 Personen gerechnet. Entsprechend sinkt die Zahl der Arbeitslosen im laufenden Jahr um durchschnittlich voraussichtlich 95.000. Im Jahr 2017 dürfte sie jedoch wieder ansteigen – um 35.000. Ein Grund ist die migrationsbedingte Zunahme des Erwerbspersonenpotenzials. Insgesamt dürfte die Arbeitslosenquote in beiden Jahren bei voraussichtlich 6,1 Prozent liegen.

  • Der starke private Konsum bleibt eine wichtige Konjunkturstütze. Und der Wohnungsbau erhält zusätzliche Impulse durch die Zuwanderung. Nach dem Zwischentief im zweiten Quartal dürfte die Bautätigkeit in den kommenden Monaten wieder Schwung aufnehmen. Alles andere – so KfW-Research  – wäre angesichts des außerordentlich kräftigen Anstiegs der Baugenehmigungen um über 30 Prozent in der ersten Jahreshälfte eine Enttäuschung. Auch der Staat wird seine Konsumausgaben aufgrund der Flüchtlingsmigration ausweiten; in den öffentlichen Haushalten sind ausreichend Spielräume dafür vorhanden.

  • Das Exportwachstum dürfte sich trotz der graduellen Aufhellung des Konjunkturbildes in den Entwicklungs- und Schwellenländern abkühlen. Grund für die Annahme ist der sich verlangsamende Aufschwung in den anderen Ländern der Eurozone und die durch den Putschversuch in der Türkei entstandene Phase verstärkter politischer Unsicherheit. Die schwächere Exportentwicklung begrenzt auch das Aufwärtspotenzial bei den ohnehin strukturell (zu) schwachen Unternehmensinvestitionen.

  • Insgesamt sorgen im kommenden Jahr weniger Arbeitstage für mehr Freizeit, aber auch niedrigeres Wachstum. Deshalb reicht es 2017 nur für eine moderaten BIP-Zuwachs; die darunter liegende wirtschaftliche Dynamik verlangsamt sich kaum.

Risiken

  • Brexit: Die Unsicherheit bezüglich der zukünftigen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen zeigt sich in Großbritannien bereits in Umfragen, rückläufigen Unternehmensinvestitionen und einer Abwertung des Pfund Sterlings gegen über dem Euro seit Ende 2015. Nach einem Austritt Großbritanniens aus der EU müssten nicht nur die Handelsbeziehungen zur EU neu verhandelt werden, sondern auch jene zu über 50 anderen Staaten, die auf EU-Recht basieren. Negative Auswirkungen auf den Handel sind anzunehmen. Auf den Finanzmärkten könnte sich die Unsicherheit in höheren Risikoprämien für britische Wertpapiere niederschlagen. Insgesamt würde auch die EU geschwächt werden, da das Vertrauen in ihren Fortbestand abnehmen könnte.
  • China: Große Unsicherheit besteht weiterhin hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung in China. Denn die jüngst ergriffenen Konjunkturmaßnahmen beseitigen laut ifo Dresden nicht die Fehlallokationen, die in vielen Wirtschaftsbereichen bestehen. Vielmehr werden die erforderlichen strukturellen Anpassungen lediglich aufgeschoben. Außerdem geht mit dem Konjunkturpaket eine zusätzliche Ausweitung der für ein Schwellenland ohnehin vergleichsweise hohen Verschuldung einher.

  • Konflikte: Verstärkte politische Kontroversen in Europa aufgrund der Flüchtlingsmigration oder um den richtigen Umgang mit in Schieflage geratenen Banken können das Wachstum beeinträchtigen. Das gleiche gilt für negative geopolitische Entwicklungen, z. B. in der Ukraine.

Mehr zu den aktuellen Konjunkturdaten und -prognosen finden sie in der diesem Beitrag als Donwload angehängten tabellarischen Übersicht.

Quellen: KfW-Research, ifo Dresden, Deutsche Bank Research, IW Köln  

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