27.07.16

Türkei – wirtschaftliche Perspektiven im Land haben sich eingetrübt

Die politische Instabilität in der Türkei verunsichert zunehmend Touristen und Kapitalgeber – das zeigt eine aktuelle Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln). Die langfristigen Entwicklungsperspektiven des Landes sind damit in Frage gestellt. Denn die Einnahmen aus Tourismus und ausländischem Kapital sind nötig, um das riesige Defizit im Warenhandel des Landes zu finanzieren.

Die Fakten im Überblick

  • Eigentlich kann die Türkei eine gute Bilanz vorlegen: Um fast 5 Prozent pro Jahr ist die türkische Wirtschaft seit dem Machtwechsel im Jahr 2002 gewachsen. Die Staatsverschuldung hat sich halbiert, die Inflationsrate liegt schon seit mehreren Jahren im einstelligen Bereich (laut Schätzung von Germany Trade & Invest liegt die Inflationsrate 2016 bei 9,8 Prozent) – ein beachtlicher Fortschritt verglichen mit Teuerungsraten von über 50 Prozent in den vergangenen Jahren.
  • Aber die zunehmende politische Unsicherheit hat bereits sichtbare Spuren hinterlassen. Um fast 35 Prozent lag die Touristenzahl im Mai – also noch vor dem Putschversuch – unter dem Vorjahreswert. Eine wichtige Einnahmequelle ist somit in Gefahr. Etwa ein Achtel der türkischen Wirtschaftsleistung entfällt auf diese Branche. Nur dank der Einnahmen aus dem Tourismus kann die Türkei einen Teil ihres enormen Defizits aus dem Warenhandel mit anderen Ländern decken. Im Jahr 2015 lag dieses in der Warenhandelsbilanz bei fast 6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Etwa die Hälfte davon wird durch die Einnahmenüberschüsse aus dem Tourismus finanziert.
  • Bereits in den ersten fünf Monaten des Jahres 2016 sind die von ausländischen Touristen kommenden Einnahmen um mehr als ein Fünftel eingebrochen – im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Dass internationale Kapitalgeber einspringen, ist jedoch wenig wahrscheinlich. Ganz im Gegenteil – die politische Unsicherheit ist Gift für das Investitionsklima. Es kommt zur Kapitalflucht. So sind die Nettozuflüsse an Direktinvestitionen bis Mai 2016 im Vorjahresvergleich um mehr als die Hälfte gesunken.
  • Was in der Türkei geschieht ist auch für Deutschland und Berlin entscheidend. Immerhin gehört Deutschland zu den wichtigsten Liefer- und Abnehmerländern der Türkei. Beim regionalen Export steht zwar die Türkei in Berlin nur auf Platz 22 und in Brandenburg auf Platz 19, aber die Waren, die aus unserer Region dorthin exportiert werden, betreffen wichtige Bereiche der Industrieproduktion. Dazu gehören unter anderem Geräte zur Elektrizitätserzeugung und -verteilung, Pharmaprodukte und Fahrzeuge.
  • Rund 6 Prozent der Bevölkerung Berlins haben einen türkischen Migrationshintergrund. 
  • Im Jahr 2015 waren rund 54.000 türkische Touristen in Berlin – mit einer beachtlichen Zuwachsrate gegenüber dem Vorjahr von rund 24 Prozent. Die Zahl der Übernachtungen türkischer Touristen lag bei 143.766. Das waren knapp 27 Prozent mehr als im Vorjahr. 
     

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Quellen: IW Köln, Germany Trade & Invest (GTAI), Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

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