31.08.16

Die industrielle Wertschöpfung bleibt eine Herausforderung

Vor knapp vier Jahren setzte sich die EU-Kommission ein hohes Ziel: So sollte der Anteil des Verarbeitenden Gewerbes an der gesamten Bruttowertschöpfung bis 2020 von 15,5 auf 20 Prozent anwachsen. Doch das Ziel scheint verfehlt. 2015 lag der Industrieanteil mit 15,6 Prozent gemessen an der gesamten Bruttowertschöpfung in der EU kaum höher als 2012. Dabei hat sich der Industrieanteil in den einzelnen EU-Staaten sehr unterschiedlich entwickelt. Auffällig ist, dass er besonders in den drei großen osteuropäischen EU-Ländern seit 2012 stark zunahm. Auch für die Hauptstadtregion zeichnet sich ein differenziertes Bild. So stieg der Anteil der industriellen Wertschöpfung im Land Brandenburg seit 1995 an, während er in Berlin weiter zurückging. 

Die wichtigsten Fakten im Überblick

  • Deutschland behauptet sich im weltweiten Vergleich: Auch wenn der Industrieanteil hierzulande seit 2015 leicht sinkt, liegt er mit 22,8 Prozent immer noch weit über dem EU-Durchschnitt – jedoch erst an dritter Stelle nach Tschechien und Ungarn.
     
  • Ein Blick auf die großen EU-Länder zeigt, es gibt starke Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern. Mit spürbaren Steigerungen des Industrieanteils an der Bruttowertschöpfung liegen die drei großen osteuropäischen Länder Polen, Tschechien und Ungarn weit vorn. Tschechien verzeichnete beispielsweise einen Anstieg um 2,3 Prozentpunkte. Hier zeigt sich die anhaltende Integration dieser Staaten in die globalen industriellen Wertschöpfungsketten. In allen drei Volkswirtschaften nahm die absolute Bruttowertschöpfung des Verarbeitenden Gewerbes sehr viel stärker zu als im Durchschnitt der EU.
     
  • Deutlich weniger Veränderungen weisen die großen westeuropäischen Länder auf. Italien, Spanien und Deutschland verzeichneten ein Plus von 0,4 Prozent-, 0,2 Prozent-  und 0,1 Prozentpunkten; Frankreich und die Vereinigten Königreiche ein Minus von 0,1 Prozentpunkten. Es tut sich etwas im Hause Europa. Denn in Frankreich, Italien und Spanien konnte der zuvor zu beobachtende langjährige Bedeutungsverlust der Industrie gestoppt werden.
     

Regionale Zahlen

  • Brandenburg konnte die Bruttowertschöpfung seiner Industrie von 9,9 Prozent (1995) auf aktuell 13,6 Prozent (2015) steigern. Das entspricht einem Zuwachs von 3,7 Prozentpunkten auf rund 11,9 Milliarden Euro.
     
  • In Berlin hingegen sank der Anteil der industriellen Wertschöpfung im gleichen Zeitraum um 3,2 Prozentpunkte auf 9,1 Prozent. Der Wert dieser Wertschöpfung betrug 2015 knapp 10,2 Milliarden Euro.   
     
  • Zum Vergleich: Das Bundesland Sachsen konnte den Anteil seiner industriellen Wertschöpfung von 12,9 Prozent (1995) auf 19,1 Prozent (2015) erhöhen (+6,2 Prozentpunkte). Der entsprechende aktuelle Wert beträgt knapp 17,8 Milliarden Euro.

Es gibt noch viel zu tun in der Hauptstadtregion. Doch Trends wie die zunehmende Digitalisierung und Urbanisierung verteilen die Chancen neu. Zahlreiche Unternehmen investieren in industrielle Kompetenzzentren und Digital Units zur Erforschung und Entwicklung neuer Technologien und digitaler Geschäftsmodelle. Gerade deshalb heißt es für die Politik jetzt zupacken und mit den richtigen Weichenstellungen die Entwicklung der Wirtschaft zur Top-Priorität machen.

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Quelle: Deutsche Bank Research, Amt für Statistik Berlin-Brandenburg   

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