16.03.18Berlin

KfW Mittelstandsatlas – Berlin und Brandenburg im Fokus

Die Research-Abteilung der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hat eine erste regional vergleichbare Strukturanalyse kleinerer und mittlererer Unternehmen vorgelegt. Diese zeigt, dass die spezifischen Strukturen vor Ort und historisch gewachsene Bedingungen die mittelständische Unternehmenstätigkeit in den Bundesländern stark prägen. Althergebrachte geografische Trennlinien haben kaum noch Gültigkeit. Dabei werden große Unterschiede bei den Themenfeldern Investitionen, Finanzierung, Internationalisierung und in den Führungsetagen der Unternehmen sichtbar.

Die wichtigsten Fakten im Überblick

Die KfW-Studie unterstreicht die hohe Bedeutung grundlegender regionaler Strukturen. So ist der Mittelstand in den Stadtstaaten Berlin und Hamburg deutlich stärker von Dienstleistungsunternehmen in freiberuflichen Tätigkeitsfeldern geprägt als anderswo. Solche Unternehmen investieren in der Regel weniger kapitalintensiv und können ihre Investitionen leichter aus eigenen Mitteln finanzieren. Auch die Neigung zur Kreditaufnahme ist dort entsprechend niedrig.


  • Mittelstandsstruktur: Die rund 3,7 Mio. kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) hierzulande stellen 99,95 Prozent des gesamten Unternehmensbestandes. Zuletzt waren mit 30,9 Mio. erwerbstätigen Personen so viele Menschen in KMU beschäftigt wie nie zuvor. Davon entfallen im Jahr 2016 etwas mehr als die Hälfte allein auf die drei größten Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg.
     
  • Die geringsten KMU-Anteile an der Erwerbstätigkeit eines Bundeslandes finden sich in Berlin sowie in Niedersachsen. Hier sind 58 bzw. 63 Prozent aller Erwerbstätigen im Mittelstand beschäftigt.
     
  • Während es in Brandenburg je 1 Mio. Erwerbstätige nur 247 Großunternehmen (mehr als 250 Beschäftigte) gibt, sind es in Hessen 367. In Hamburg sind es sogar 403. Dieses noch immer bestehende Ungleichgewicht in der Verteilung der Großunternehmen zwischen ost- und westdeutschen Bundesländern ist ein Erbe der deutschen Teilung. Es zeigt sich auch darin, dass die DAX- und MDAX-Unternehmen ausnahmslos in Westdeutschland beheimatet sind.
     
  • Mittelstandsalter: Die Startup-Hauptstadt Berlin weist mit 21 Prozent deutschlandweit den höchsten Anteil an KMU auf, die jünger als 5 Jahre alt sind. Sachsen-Anhalt vertritt mit lediglich 6 Prozent den niedrigsten Wert. Brandenburg liegt bei 14 Prozent.
     
  • Mittelstand nach Branchen: In den Stadtstaaten Berlin und Hamburg dominieren KMU der wissensintensiven Dienstleistungen (50 bzw. 49 Prozent), wie beispielweise Rechtsanwaltskanzleien, Architektur- und Ingenieurbüros, PR-, Finanz- oder Personalberatung. Diese Ballung von Dienstleistungen auf engem geografischen Raum lässt sich vor allem mit den Bedürfnissen dieser Branchen erklären: Sie profitieren von so genannten Urbanisierungsvorteilen wie Diversifizierung, großen Kundengruppen, kurzen Distanzen und den Vorteilen eines effizienten Ideen- und Informationsaustausches. Dies betrifft vor allem Branchen mit einem hohen Akademikeranteil bzw. einer starken Technologieorientierung.
     
  • Auslandsorientierung des Mittelstandes: In diesem Themenfeld führt die Hafenstadt Hamburg die Rangliste an. Mehr als jedes dritte dort ansässige Unternehmen erzielt seine Umsätze grenzüberschreitend (38 %). Besonders auffällig ist dabei die über Europa hinausgehende Aktivität. Mit 21 Prozent aller KMU erzielen in Hamburg enorm viele Mittelständler außereuropäische Umsätze.

    Den mit Abstand stärksten regionalen Fokus haben Unternehmen aus Berlin und Brandenburg – durchschnittlich 69 Prozent der Umsätze erzielen die Mittelständler hier im engeren regionalen Umfeld. Das lässt sich unter anderem auf die hohe und breite Nachfrage des Ballungsraumes Berlin zurückführen.
     
  • Investitionen im Mittelstand: Das Land Brandenburg punktet in der KfW-Analyse als Investitionsspitzenreiter. Hier investieren die KMU durchschnittlich je Vollzeitäquivalent-Beschäftigten rund 9.900 Euro.

    Deutlich darunter liegen Mittelständler aus Niedersachen (rund 9.200 Euro je VZÄ-Beschäftigtem) sowie Hamburg und Baden-Württemberg mit jeweils rund 8.800 Euro. Zum Vergleich: Unternehmen in Brandenburg investieren damit im Durchschnitt pro Vollzeitstelle etwa ein Drittel mehr in den Ausbau und den Erhalt ihrer Strukturen als KMU aus Schleswig-Holstein oder Berlin.

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